FAQ

Wie lange dauert eine Scheidung? Häufige Fragen & Antworten (Österreich)

Wie lange dauert eine Scheidung in Österreich? Die kurze Antwort: zwischen wenigen Wochen und mehreren Jahren – je nachdem, ob Sie sich einigen können.

Die Dauer hängt vor allem davon ab, ob die Scheidung einvernehmlich oder strittig verläuft, ob Kinder oder größeres Vermögen betroffen sind und wie schnell alle Unterlagen und Vereinbarungen vorliegen. Auf dieser Seite beantworten wir die häufigsten Fragen rund um Scheidung, Obsorge, Unterhalt, Ehevertrag, Vermögensaufteilung und internationales Familienrecht – kompakt, verständlich und auf österreichisches Recht bezogen.

Familienrecht & Scheidung in Österreich – Symbolbild mit Waage und Richterhammer

Diese Übersicht ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Verantwortlich für den Inhalt: Dr. Theresa Kamp, Rechtsanwältin für Familienrecht in Wien. Stand der Rechtslage: Juni 2026.

Übersicht

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Scheidung

Scheidung – Dauer, Ablauf & häufige Irrtümer


Die folgenden Fragen klären Ablauf, Zeitrahmen und Kosten einer Scheidung in Österreich. Alle Angaben sind Richtwerte – der Einzelfall kann abweichen.

Wie lange dauert eine Scheidung in Österreich?

Eine einvernehmliche Scheidung kann – wenn alle Unterlagen vorbereitet und die Vereinbarung unterschriftsreif ist – innerhalb weniger Wochen abgeschlossen sein. Vom Antrag bis zum Gerichtstermin vergehen typischerweise einige Wochen, abhängig von der Auslastung des Bezirksgerichts.

Eine strittige Scheidung dauert deutlich länger: Mehrere Monate bis über ein Jahr sind keine Seltenheit, besonders wenn es um nachehelichen Unterhalt und damit darum geht, wer schuld ist am Scheitern der Ehe. Engpässe entstehen häufig durch fehlende Unterlagen, verzögerte Verhandlungstermine oder schwierige Einigungen.

Beispiel: Wenn beide alles vorab geklärt und unterschrieben haben, kann der Gerichtstermin bei einer einvernehmlichen Scheidung ein reiner Formalakt sein.

Wie lange dauert eine einvernehmliche Scheidung in Österreich?

Eine einvernehmliche Scheidung dauert typischerweise wenige Wochen bis wenige Monate. Sind alle Folgen geklärt und die Unterlagen vollständig, genügt oft ein einziger, kurzer Gerichtstermin. Verzögerungen entstehen meist dann, wenn einzelne Punkte – etwa der Kindesunterhalt – noch offen sind.

Wann kann man sich in Österreich scheiden lassen?

Grundsätzlich auf zwei Wegen. Einvernehmlich: wenn beide sich über alle Folgen einigen – Vermögen, Unterhalt, Obsorge, Kontaktrecht und Kindesunterhalt. Strittig: wenn ein Teil ein Verschulden des anderen geltend macht oder die häusliche Gemeinschaft seit mindestens drei Jahren aufgehoben ist.

Wie wird eine Scheidung in Österreich eingeleitet?

Die Scheidung wird mit einem Antrag oder einer Klage beim zuständigen Bezirksgericht eingeleitet – zuständig ist in der Regel das Gericht am letzten gemeinsamen Wohnsitz. Bei der einvernehmlichen Scheidung reichen beide gemeinsam einen Antrag ein, bei der strittigen bringt ein Teil eine Scheidungsklage ein.

Typische Unterlagen: Heiratsurkunde, Geburtsurkunden der Kinder, Meldebestätigungen, Einkommensnachweise und – bei der einvernehmlichen Scheidung – die Scheidungsvereinbarung. Vollständige Unterlagen beschleunigen den Ablauf spürbar.

Wie läuft eine einvernehmliche Scheidung ab?

Beide einigen sich über alle wesentlichen Punkte – Vermögensaufteilung, nachehelicher Unterhalt, Obsorge, Kontaktrecht und Kindesunterhalt – und halten das in einer Scheidungsvereinbarung fest, die gemeinsam beim Bezirksgericht eingereicht wird. Sind minderjährige Kinder betroffen, ist zusätzlich eine Elternberatung nachzuweisen. Am Gerichtstermin prüft das Gericht die Vereinbarung und spricht die Scheidung aus.

Beispiel: Ein Paar mit zwei Kindern klärt vorab Betreuung, Alimente und Wohnung – der Gerichtstermin dauert dann oft nur 15 bis 30 Minuten.

Was passiert, wenn ein Partner der Scheidung nicht zustimmt?

Auch ohne Zustimmung ist eine Scheidung möglich. Sie können eine Scheidungsklage wegen Verschuldens einbringen – etwa bei schweren Eheverfehlungen. Alternativ können Sie nach dreijähriger Aufhebung der häuslichen Gemeinschaft die Scheidung auch ohne Verschuldensnachweis erreichen. Welcher Weg sinnvoll ist, hängt stark von der Beweislage ab – eine frühe Beratung ist hier besonders wichtig.

Gibt es in Österreich ein Trennungsjahr?

Nein, ein Trennungsjahr wie in Deutschland gibt es in Österreich nicht. Für die einvernehmliche Scheidung verlangt das Gesetz vier Voraussetzungen: (1) die eheliche Lebensgemeinschaft ist seit mindestens sechs Monaten aufgehoben (Achtung: das heißt nicht, dass man getrennt leben muss), (2) beide Ehepartner:innen anerkennen die unheilbare Zerrüttung der Ehe, (3) sie stellen einen gemeinsamen Scheidungsantrag und (4) sie schließen eine Vereinbarung über die Folgen der Scheidung (Aufteilung des ehelichen Vermögens, Ehegattenunterhalt, Obsorge/Kontaktrecht und Kindesunterhalt)

In Österreich gibt es anders als in Deutschland kein Trennungsjahr! Getrenntes Wohnen ist in Österreich keine Voraussetzung für eine Scheidung und oft auch nicht ratsam.

Was kostet eine Scheidung?

Bei einer einvernehmlichen Scheidung mit klarer Vereinbarung bleiben die Kosten überschaubar. Strittige Verfahren mit mehreren Verhandlungstagen und Schriftsätzen können die Kosten deutlich erhöhen. Einflussfaktoren sind Komplexität, Anzahl der offenen Punkte und Verfahrensdauer.

Typischer Fehler: Die Kosten für eine Scheidungsvereinbarung unterschätzen – eine saubere Vereinbarung spart langfristig deutlich mehr, als sie kostet.

Geht eine Scheidung ohne Anwalt?

Bei einer einvernehmlichen Scheidung ist eine anwaltliche Vertretung rechtlich nicht zwingend vorgeschrieben. Im strittigen Verfahren vor dem Bezirksgericht gilt eine relative Anwaltspflicht. Das bedeutet: Vertretung ist nicht zwingend, aber wenn Sie sich vertreten lassen, muss dies durch eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt erfolgen.

Die Risiken ohne rechtliche Beratung sind allerdings erheblich: Vereinbarungen können unvollständig sein – etwa wenn Unterhalt, Pensionsansprüche oder ein Hauskredit nicht klar geregelt werden. Solche Lücken führen häufig zu späteren Konflikten und neuen Verfahren.

Beispiel: Ein gemeinsamer Kredit wird in der Vereinbarung nicht erwähnt – die Bank hält sich weiterhin an beide Kreditnehmer:innen, unabhängig von der Scheidung.

Mediation bei der Scheidung – bringt das etwas?

Mediation kann sinnvoll sein, wenn Kommunikation zwischen den Beteiligten grundsätzlich möglich ist und beide an einer Einigung interessiert sind – besonders, wenn Kinder betroffen sind. Eine erfolgreiche Mediation verkürzt den Prozess und senkt das Konfliktniveau.

Weniger geeignet ist Mediation bei Gewalt, massivem Machtungleichgewicht oder wenn eine Seite nicht ernsthaft verhandeln will. In solchen Situationen braucht es klare rechtliche Schritte statt offener Gespräche.

Hinweis: Mediation ersetzt keine Rechtsberatung – die Ergebnisse sollten immer rechtlich geprüft werden.

Scheidung für Männer / Scheidung für Frauen – gibt es Unterschiede?

Rechtlich gelten für Männer und Frauen dieselben Regeln. Unterschiede entstehen in der Praxis durch die konkrete Lebenssituation: Wer hat während der Ehe die Hauptbetreuung der Kinder übernommen? Wer verdient mehr? Wer hat beruflich zurückgesteckt?

Beispiel Betreuung: War ein Elternteil hauptsächlich für die Kinderbetreuung zuständig, ist das bei Obsorge, Kontaktrecht und Unterhalt relevant.

Kann man eine Ehe annullieren?

Eine Eheannullierung ist in Österreich etwas anderes als eine Scheidung.

In den meisten Fällen ist die Scheidung der passende Weg. Ob eine Aufhebung oder Nichtigerklärung in Frage kommt, lässt sich nur im konkreten Einzelfall beurteilen.

Mehr zum Ablauf einer einvernehmlichen Lösung: Scheidungsanwalt Wien

Ist Fremdgehen ein Scheidungsgrund in Österreich?

Ja, Fremdgehen kann ein Scheidungsgrund sein. Ehebruch gilt als schwere Eheverfehlung und kann bei einer strittigen Scheidung relevant sein – vor allem im Zusammenhang mit Verschulden und Unterhalt.

Wann beginnt Ehebruch rechtlich gesehen?

Rechtlich liegt Ehebruch vor, wenn ein:e Ehepartner:in Geschlechtsverkehr mit einer dritten Person hat – der klassische Fall einer schweren Eheverfehlung. Aber auch intensive emotionale Affären ohne körperlichen Kontakt können unter Umständen als Eheverfehlung gewertet werden, besonders wenn sie die Ehe massiv belasten oder das Vertrauen zerstören. Entscheidend ist immer, ob das Verhalten die Ehe so schwer verletzt hat, dass eine Fortsetzung unzumutbar ist.

Wann bekommt man Unterhalt nach einer Scheidung in Österreich?

Nachehelicher Ehegattenunterhalt steht nicht automatisch zu. Er kommt vor allem dann in Frage, wenn der oder die andere überwiegend schuld am Scheitern der Ehe ist und ein deutlicher Einkommensunterschied besteht. Anspruch kann aber auch bestehen, wenn man ein kleines gemeinsames Kind betreut, während der Ehe den Haushalt geführt oder beruflich zurückgesteckt hat oder unverschuldet in Not gerät.

Bei einer einvernehmlichen Scheidung ist der Unterhalt frei vereinbar – „einvernehmlich“ heißt aber nicht automatisch, dass kein Unterhalt gezahlt wird.

Wann muss man Unterhalt für die Ehefrau oder den Ehemann zahlen?

Spiegelbildlich zum Anspruch: Unterhaltspflichtig ist in der Regel, wer deutlich mehr verdient und (überwiegend) schuld am Scheitern der Ehe ist. Maßgeblich sind Einkommensunterschied, Lebensstandard während der Ehe, die Betreuung gemeinsamer Kinder und die Verschuldensfrage. Die Höhe richtet sich immer nach dem Einzelfall.

Wie lange muss man nach der Scheidung Unterhalt zahlen?

Die Dauer des nachehelichen Ehegattenunterhalts ist gesetzlich nicht fix festgelegt. In manchen Fällen besteht nur ein befristeter Anspruch – etwa bis zur Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit. In anderen Fällen kann Unterhalt auch unbefristet geschuldet sein. Auch hier kommt es oft darauf an, wer das Scheitern der Ehe verschuldet hat.

Kinder & Eltern

Obsorge & Kontaktrecht – Kinder nach der Trennung


Was passiert mit den Kindern nach einer Trennung? Wer entscheidet was, und wie wird der Kontakt zum anderen Elternteil geregelt?

Heißt Obsorge in Österreich Sorgerecht?

Ja, beide Begriffe meinen im Kern dasselbe. In Österreich heißt es Obsorge , in Deutschland Sorgerecht. Die Obsorge umfasst drei Bereiche: Pflege und Erziehung, Vermögensverwaltung und gesetzliche Vertretung. Eng damit verbunden ist das Aufenthaltsbestimmungsrecht das sich aus der Pflege und Erziehung ergibt.

Wenn Sie nach „Sorgerecht Österreich“ suchen, finden Sie die Antworten unter dem Begriff Obsorge.

Was bedeutet Obsorge in Österreich?

Obsorge ist das Recht und die Pflicht, für ein Kind zu sorgen. Sie umfasst Pflege und Erziehung, die gesetzliche Vertretung und die Verwaltung des Kindesvermögens; eng damit verbunden ist die Bestimmung des Aufenthalts. Bei verheirateten Eltern steht die Obsorge beiden gemeinsam zu. Bei unverheirateten Eltern hat zunächst die Mutter die alleinige Obsorge – eine gemeinsame kann vereinbart oder beantragt werden.

Heißt Umgangsrecht in Österreich Kontaktrecht?

Ja, auch hier verwenden Österreich und Deutschland unterschiedliche Begriffe für denselben Gedanken. Ziel ist, die Beziehung des Kindes zu beiden Elternteilen zu sichern – unabhängig davon, bei wem das Kind hauptsächlich lebt.

Obsorge vs. Kontaktrecht – was ist der Unterschied?

Obsorge betrifft die Entscheidungsbefugnisse: Wer entscheidet über Schule, ärztliche Behandlungen oder den Wohnort? Kontaktrecht regelt die Betreuungskontakte: Wann verbringt das Kind Zeit mit welchem Elternteil?

Häufiges Missverständnis: Gemeinsame Obsorge bedeutet nicht automatisch gleiche Betreuungszeit. Ein mögliches Modell ist gemeinsame Obsorge mit einem festen Kontaktmodell – etwa jedes zweite Wochenende und eine Übernachtung unter der Woche. Das ist aber flexibel gestaltbar und ein „normales“ Kontaktrecht gibt es nicht. Jede Familie ist anders und es kommt oft darauf an, was die Kinder gewöhnt sind und wie es bisher war.

Wer bekommt das Kind bei Scheidung?

Kinder werden nicht „zugeteilt“. Das Gericht orientiert sich am Kindeswohl und an der bisherigen Betreuungssituation. Typische Modelle sind die Hauptbetreuung bei einem Elternteil mit Kontaktrecht für den anderen oder – bei passenden Rahmenbedingungen – ein Wechselmodell (Doppelresidenz).

Praktisch spielen Faktoren wie Schulweg, Arbeitszeiten, Stabilität des Umfelds und der Wille des Kindes (je nach Alter) aber auch die Beziehung zwischen den Eltern eine Rolle. In den meisten Fällen bleibt die gemeinsame Obsorge bestehen.

Was tun, wenn Kontaktrecht nicht eingehalten wird?

Zunächst: Dokumentieren Sie sachlich, was konkret vorgefallen ist (Datum, Uhrzeit, Ablauf). Im nächsten Schritt kann ein klärendes Gespräch oder eine Mediation helfen, die Situation zu deeskalieren.

Bleibt die Verletzung bestehen, können Sie das Gericht einschalten: Eine gerichtliche Regelung oder Änderung des Kontaktrechts ist möglich. In dringenden Fällen gibt es auch die Möglichkeit einer Durchsetzung mit gerichtlicher Unterstützung.

Mehr dazu: Obsorge | Kontaktrecht

Wer muss das Kind bringen und abholen?

Das Gesetz schreibt dazu keine fixe Regel vor. In der Praxis hängt es davon ab, was die Eltern miteinander vereinbart haben oder was das Gericht im Rahmen des Kontaktrechts festgelegt hat.

Alimente

Kindesunterhalt (Alimente) – Berechnung & Anpassung


Wie wird Unterhalt berechnet, wann kann er angepasst werden, und was gilt bei Studium?

Was sind Alimente und unterscheiden sie sich vom Kindesunterhalt?

Nein, es ist dasselbe. „Alimente“ ist die umgangssprachliche Bezeichnung in Österreich für den Kindesunterhalt Der rechtliche Anspruch ist identisch: Beide Elternteile sind zum Unterhalt ihrer Kinder verpflichtet – der betreuende Elternteil leistet seinen Beitrag durch die tägliche Versorgung, der andere durch Geldzahlungen.

Wie wird Unterhalt berechnet (Alimente)?

Die Berechnung orientiert sich am Nettoeinkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils und am Alter des Kindes. In der Praxis wird häufig die sogenannte Prozentmethode herangezogen: Je nach Altersgruppe des Kindes wird ein bestimmter Prozentsatz des Nettoeinkommens als Richtwert angesetzt.

Einflussfaktoren sind unter anderem: Anzahl weiterer Unterhaltspflichten, Sonderbedürfnisse des Kindes und die Betreuungsanteile beider Elternteile.

Beispiel: Bei zwei Kindern in unterschiedlichen Altersgruppen werden die Prozentsätze entsprechend angepasst und gegeneinander abgestimmt.

Wie lange muss man Alimente zahlen, wenn das Kind studiert?

Alimente enden nicht automatisch mit dem 18. Geburtstag. Die Unterhaltspflicht besteht, bis das Kind selbsterhaltungsfähig ist. Bei einem Studium bedeutet das: solange es ernsthaft und zielstrebig betrieben wird. Eine starre Altersgrenze gibt es nicht.

Beispiel: Ein einmaliger Studienwechsel zu Beginn wird in der Regel akzeptiert. Wiederholte Wechsel oder lange Unterbrechungen können den Anspruch allerdings gefährden.

Vorsorge

Ehevertrag – sinnvoll, Inhalte, Kosten


Ein Ehevertrag schafft Klarheit über Vermögensfragen – auch nachträglich. Auch nach der Hochzeit kann man jederzeit einen Ehevertrag abschließen.

Was kann in einem Ehevertrag geregelt werden?

Ein Ehevertrag kann vor allem Vermögensfragen regeln: Welche Vermögenswerte bleiben im Trennungsfall bei wem, wie werden Ersparnisse und Schulden aufgeteilt, was passiert mit einer Immobilie oder einem Unternehmen? Auch Regelungen zum nachehelichen Unterhalt können aufgenommen werden – allerdings mit gewissen Grenzen: Gröblich benachteiligende Inhalte für eine Seite kann das Gericht nachträglich anpassen und für die Ehewohnung gelten besondere Schranken.. Wichtig zur Form: Ehepakte also Eheverträge) bedürfen zu ihrer Gültigkeit zwingend eines Notariatsakts… Ein bloß privatschriftlicher Ehevertrag ist in diesen Fällen oft nicht rechtsgültig.

Beispiel: Eine Unternehmerin bringt ihren Betrieb in die Ehe ein und will sicherstellen, dass dieser im Scheidungsfall nicht in die Aufteilung fällt bzw. auch die Früchte daraus nicht.

Kann man einen Ehevertrag nachträglich machen?

Ja, ein Ehevertrag kann jederzeit während der Ehe geschlossen werden. Das ist besonders sinnvoll bei Veränderungen der Lebensumstände – etwa nach einem Hauskauf, der Gründung eines Unternehmens oder der Geburt eines Kindes oder wenn man als Paar einen Neuanfang wagt und sich sicher fühlen möchte.

Beispiel: Nach dem gemeinsamen Kauf einer Wohnung entscheidet sich ein Paar, die Aufteilung für den Fall einer Trennung festzuhalten – betrifft die Vereinbarung die Ehewohnung oder eheliche Ersparnisse, ist dafür ein Notariatsakt erforderlich.

Was kostet ein Ehevertrag?

Die Kosten hängen von Komplexität und Vermögenssituation ab. Einflussfaktoren sind: Umfang und Werte der zu regelnden Punkte (Immobilien, Fonds, Vermögenswerte), Verhandlungsaufwand zwischen den Beteiligten und – bei Ehepakten sowie Vorab-Vereinbarungen über Ersparnisse oder die Ehewohnung zwingend– die Errichtung als Notariatsakt samt Notariatsgebühren. Fixpreise lassen sich nicht seriös nennen – die Bandbreite reicht von überschaubar bei einfachen Konstellationen bis zu höherem Aufwand bei komplexen Vermögensverhältnissen.

Mehr dazu: Ehevertrag

Aufteilung

Vermögensaufteilung – Haus, Ersparnisse, Schulden


Was wird bei einer Scheidung geteilt, was bleibt jedem – und was ist mit dem Haus? In Österreich gelten eigene Regeln, die sich von Deutschland unterscheiden.

Wie wird das Vermögen bei einer Scheidung aufgeteilt?

Aufgeteilt werden das eheliche Gebrauchsvermögen – alles, was während der Ehe gemeinsam genutzt wurde, etwa Wohnung, Auto und Hausrat – und die ehelichen Ersparnisse. Aufgeteilt wird nach Billigkeit: Oft ergibt das etwa eine hälftige Teilung, eine starre 50:50-Regel gibt es aber nicht – das Gericht gewichtet die Beiträge beider Seiten.

Nicht in die Aufteilung fallen Vermögen, das vor der Ehe bestand, Erbschaften, Schenkungen Dritter und rein persönliche Gegenstände. Details zu Haus, Zugewinnausgleich und Schulden finden Sie in den folgenden Fragen.

Wer bekommt das Haus bei einer Scheidung in Österreich?

Wurde das Haus während der Ehe gekauft oder gebaut und gemeinsam genutzt, fällt es in die Aufteilung – unabhängig davon, wer im Grundbuch steht oder wer die Kreditraten bezahlt hat. Während einer Ehe wirtschaftet man gemeinsam; entscheidend ist, dass das Haus während der Ehe gekauft wurde.

Praktisch relevant kann sein, bei wem die gemeinsamen Kinder hauptsächlich leben. Das Gericht hat dabei einen gewissen Gestaltungsspielraum.

Beispiel: Ein Ehepartner behält das Haus und übernimmt den Kredit, der andere erhält eine Ausgleichszahlung.

Gibt es in Österreich einen Zugewinnausgleich?

In Österreich gilt während der Ehe Gütertrennung – jede:r behält grundsätzlich das eigene Vermögen. Bei der Scheidung kommt es dann aber zur sogenannten Güterteilhabe. Sprich Gütertrennung gibt es nur während der Ehe. Bei der Scheidung werden eheliche Errungenschaften sehr wohl geteilt.. Das System ist also ein wenig anders als der deutsche Zugewinnausgleich. Konkret reicht es aus, wenn sich einer der Eheleute während der Ehe etwas erspart, damit es bei der Scheidung geteilt werden muss. Auch eigene Ersparnisse unterliegen der Aufteilung.

Typischer Irrtum: Wer den deutschen Begriff „Zugewinnausgleich“ in Österreich anwendet, geht von falschen Voraussetzungen aus – das kann zu Fehleinschätzungen führen.

Was passiert mit gemeinsamen Schulden und Krediten?

Bei Schulden ist zu unterscheiden: Im Innenverhältnis (zwischen den Ehepartner:innen) kann vereinbart oder gerichtlich festgelegt werden, wer welchen Anteil übernimmt. Gegenüber der Bank (Außenverhältnis) haftet aber weiterhin, wer den Kreditvertrag unterschrieben hat – unabhängig von der Scheidungsvereinbarung.

Beispiel: Beide haben einen Kredit unterschrieben. In der Vereinbarung übernimmt ein:e Partner:in die Raten. Die Bank kann sich trotzdem an beide wenden, wenn nicht gezahlt wird. Eine Entlassung aus dem Kreditvertrag muss mit der Bank separat verhandelt werden.

Bis wann muss die Vermögensaufteilung beantragt werden?

Wichtig: Der Anspruch auf Aufteilung des ehelichen Gebrauchsvermögens und der ehelichen Ersparnisse erlischt, wenn er nicht binnen einem Jahr ab Rechtskraft der Scheidung geltend gemacht wird). Wird diese Frist versäumt, ist der Aufteilungsanspruch endgültig verloren. Wer sich nicht einvernehmlich einigt, sollte den Aufteilungsantrag daher rechtzeitig stellen.

Auslandsbezug

Internationales Familienrecht – wenn ein Land nicht Österreich ist


Ein Auslandsbezug kann die Zuständigkeit, das anwendbare Recht und damit Dauer und Kosten einer Scheidung erheblich beeinflussen.

Was ändert sich bei Scheidung mit Auslandsbezug?

Sobald ein:e Partner:in eine andere Staatsbürgerschaft hat, im Ausland lebt oder Vermögen im Ausland liegt, stellen sich zusätzliche Fragen: Welches Gericht ist zuständig? Welches Recht kommt zur Anwendung? Wie werden Entscheidungen im anderen Land anerkannt?

Beispiel: Ein Ehepaar lebt in Wien, hat aber in Deutschland geheiratet, wobei einer deutscher Staatsbürger ist. Bei Scheidung muss zunächst geklärt werden, ob österreichisches oder deutsches Recht gilt – das kann sich auf Unterhalt und Vermögensaufteilung unterschiedlich auswirken. Relevant ist in dem Zusammenhang die Brüssel IIb- Verordnung.

Unterhalt und Obsorge international – worauf achten?

Bei internationalen Konstellationen kann die Durchsetzung von Unterhalts- und Obsorgeansprüchen über Landesgrenzen hinweg komplex werden. Dokumente müssen oft übersetzt und oder beglaubigt werden, Zustellungen dauern länger, und die Anerkennung von Entscheidungen erfordert zusätzliche Schritte.

Beispiel: Ein Elternteil möchte mit dem Kind ins Ausland ziehen. Das berührt Obsorge und Kontaktrecht des anderen Elternteils und erfordert in der Regel eine gerichtliche Genehmigung, wenn der andere Elternteil nicht zustimmt.

Mehr dazu: Internationales Familienrecht

Begriffe AT/DE

Sonstige häufige Begriffe (AT/DE) – kurz erklärt


Heißt es Witwenrente oder Witwenpension – und hat Scheidung Einfluss?

In Österreich ist die Witwenpension oder Hinterbliebenenpension (geregelt im ASVG). „Witwenrente“ ist die deutsche Bezeichnung – beide werden in Österreich häufig gesucht.

Ob nach einer Scheidung Anspruch auf Witwenpension besteht, hängt von mehreren Faktoren ab – unter anderem von der Ehedauer, der Art der Scheidung und einem bestehenden Unterhaltsanspruch zum Zeitpunkt des Todes. Eine pauschale Aussage ist nicht möglich; hier ist eine Einzelfallprüfung notwendig.

Rechtsgrundlagen: § 55a EheG; § 258 ASVG.

Beispiel: Nach einer langjährigen Ehe mit bestehendem Unterhaltsanspruch kann unter bestimmten Voraussetzungen auch nach der Scheidung eine Witwenpension zustehen.

Ihre Frage ist nicht dabei?

In einer vertraulichen Erstberatung klären wir Ihre individuelle Ausgangslage – zu Scheidung, Obsorge, Kontaktrecht, Unterhalt, Ehevertrag oder internationalem Familienrecht.